Aneinander gereihte Ölkürbisse auf einem Kürbisfeld

Die Steirische Ölspur im Schilcherland

Das Feingefühl der Ölmüller

Der grüne, köstliche Schatz.  Steirisches Kürbiskernöl. Die Delikatesse aus dem Schilcherland verzaubert mit unwiderstehlich nussigen Aromen. Und die Kürbiskerne verjüngen sogar.


Im Spätsommer malen die Kürbisfelder prallgelbe und grüne Kleckse ins hügelige Wald- und Wiesenland. Rund 800 Sorten gibt es. Was der steirische Kürbis allen anderen als Ölquelle voraushat? Ende des 19. Jahrhunderts machte sich der Ölkürbis in der Steiermark heimisch, dessen Kerne in ein hauchdünnes Häutchen gebettet sind, sie mussten also nicht in mühsamer Handarbeit geschält werden. Außerdem sind diese weichschaligen Kerne mit einem Ölgehalt von mehr als 50 Prozent gesegnet. Ideal für das Wachstum sind der lehmigsandige Boden und das pannonische Klima, eine günstige Mischung aus Sonnentagen und Regen. Auch im Schilcherland fühlt sich der Kürbis wohl.

 

Mahlen, kneten, rösten, pressen. Vom Prinzip her hat sich in der Kürbisbehandlung nicht viel geändert, ein paar Handgriffe wie das Trennen der Kerne vom Fruchtfleisch werden allerdings jetzt maschinell erledigt. Nach dem Mahlen der Kerne werden Salz und Wasser beigefügt und die Masse gründlich verknetet, schrittweise wird die Knetmasse nun auf maximal 120 °C erhitzt. Genau jetzt entstehen die entscheidenden Aromen. Durch schonende Pressung mit bis zu 300 Bar gewinnt man das kostbare Öl. Früher wurde der Brei sehr mühevoll mit der Ölkuh ausgepresst, eine Holzvorrichtung, die durch händisches Schlagen mit einem Holzhammer auf einem Keil bedient wurde.

 

NUSS UND KARAMELL

Weltweit haben Genießer das Kürbiskernöl für sich entdeckt, sogar die Spitzenköche veredeln ihre Gerichte gerne mit dem grünen (Boden-)Schatz. Was sie daran lieben? Kernöl fließt sämig und dunkelgrün, im Duft betören zartes Karamell und Nuss, am Gaumen setzen sich die Aromen fort, dazu kommen frische Brotrinde und feine Röstaromen.

Kürbiskerne liefern aber nicht nur hervorragendes Öl, sie verjüngen auch die Zellen. Wie das geht? Kürbiskerne enthalten Spermidin, das dazu beiträgt, die Effekte der Zellalterung zu neutralisieren. Wie 11 Untersuchungen in akkreditierten Labors gezeigt haben, sind Kürbiskerne ein spermidinreiches „Superfood“. Für den täglichen Bedarf genügt eine kleine Handvoll Kürbiskerne.

 

Hautnah miterleben, wie Kürbiskernöl entsteht, kann man bei Führungen in fünf Ölmühlen. Das Kürbiskernöl der Ölmühle Hamlitsch in Deutschlandsberg ist bereits zum 21. Mal in Folge vom Gault Millau prämiert worden. Die Ölmühle Leopold im gleichen Ort konnte bei der Landwirtschaftsmesse 2020 in Wieselburg den Sieg für das Produkt „Steirisches Kürbiskernöl“ holen. Besonders viel Flair versprüht die Ölmühle Herbersdorf in Stainz mit ihrem 600 Jahre alten Gewölbekeller. Empfehlenswert ist auch die Ölmühle Lorenz in St. Martin im Sulmtal. Mit viel Liebe wurde das Mühlenmuseum in der Ölmühle Hartlieb in Heimschuh erhalten. Staunen, riechen, kosten – alle Sinne werden bei den Führungen angeregt. Um den Genuss zu verlängern, kann man die köstlichen Kürbisprodukte in den Mühlenläden für zu Hause einkaufen.

 

SCHON GEWUSST?

2,5 kg (über 11.000 Stück) getrocknete Kürbiskerne von rund 30 bis 35 Kürbissen braucht man für 1 Liter Kürbiskern.l.