03.06.2019 Christine Rotschädl

Mit dem Bike durchs Schilcherland Steiermark

Die Leichtigkeit des Seins. St. Stefan ob Stainz bis Frauental erstreckt sich das Schilcherland Steiermark – eine Idylle, die man ideal per Fahrrad erkunden kann. Kulinarische Stopps inklusive.


Regionale Kulinarik, traumhafte Panoramen und eine vinophile Vielfalt mit Authentizität und Charakter, gepaart mit Herzlichkeit und Gastfreundschaft sind im Schilcherland Steiermark ebenso erlebbar wie die Möglichkeit von ausgedehnten Rad- und Segwaytouren von St. Stefan ob Stainz über Stainz bis nach Deutschlandsberg und Frauental. 

Unsere Tour startet beim Gasthof Schlosstoni in Pichling bei Stainz, bei dem das Motto „Schlemmen & Schlafen“ hält, was es verspricht: Gemütliche Zimmer und feine Kulinarik verwöhnen die Gäste. Diesmal sind wir aber zum Sporteln gekommen. Die installierte E-Bike- Box ist ein smartes E-Bike-Verleihsystem, bei dem jeder der erkundungshungrigen Teilnehmer das perfekte Fahrrad findet. Die Räder können vorab online gebucht werden und schon geht’s los: Auch bergauf tritt man dank Elektromotor-Unterstützung gemütlich in die Pedale und kann nebenbei die beschauliche Landschaft mit den typischen weststeirischen Bauernhäusern, den Weingärten, den schattigen Wäldern und den Obstbäumen genießen. 

Genialer Hofladen Die erste Etappe führt uns nach Bad Gams zum Hofladen Farmer-Rabensteiner. Bei über 60 teils traditionellen, teils exotischen Essigvarianten, prämiertem steirischen Kürbiskernöl und der handgefertigten Bad Gamser Keramik kann man definitiv stundenlang das Sortiment bestaunen, verschiedene Spezialitäten wie süße oder pikante Knabberkerne verkosten und natürlich auch das eine oder andere Mitbringsel erstehen. Über 50 regionale Produzenten präsentieren bei der Familie Farmer-Rabensteiner ihre Köstlichkeiten und handgefertigten Kostbarkeiten. In der Keramikstub’n dürfen wir die Herstellung einer Vase miterleben, die nach traditioneller Handwerkskunst aus Ton gefertigt wird. Angeboten werden hier auch fachkundige Führungen, etwa durch den hauseigenen Essigkeller, in dem Sorten wie Spargelessig, Walnussessig oder Paprikaessig reifen. Frisch gepresst Wir gustieren, shoppen und dürfen auch einen Blick auf die hauseigene Kernölpresse werfen, in der wir erfahren, dass zwischen 35 und 45 Kürbisse notwendig sind, um einen Liter Kernöl herzustellen. Dann geht es wieder weiter – unser nächstes Etappenziel ist die Burg Deutschlandsberg. 
 
Farmer-Rabensteiner vlg. Graf
Furth 8, 8524 Bad Gams
Tel.: 03463/3107 | www.kuerbiskernoel.at

 

Kultur mit Flair

Beim Anstieg zur Burg Deutschlandsberg  sind wir alle unendlich dankbar über unsere E-Bikes: Trotz beachtlich steiler Straße treten wir flott in die Pedale und sind in Nullkommanichts auf der denkmalgeschützten Felsenburg. Hier erwartet uns aber nicht nur das historische Ambiente der Wehranlage aus dem 12. Jahrhundert, deren Geschichte wir u. a. im neu gestalteten Innenhof erfahren. Auch verschiedene Ausstellungen tragen in der Burg dazu bei, den Besuchern ein Stück Geschichte näherzubringen: Eine Schmuck- und eine Waffenausstellung sind dauerhaft auf der Burg zu sehen. Wir bewundern vor allem den filigranen römischen Schmuck, bei welchem teilweise die Granulationstechnik zum Einsatz kam – eine Technik, die bis heute nicht reproduzierbar ist. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Kulturprogramm. Noch bis Ende November ist „Erzherzog Johann – Bilder eines innovativen Geists“ zu Gast in der Burg.

Die Zisterne in der Burg Deutschlandsberg wurde erst vor ca. 2,5 Jahren entdeckt und kann seither besichtigt werden. Neu ist auch der Zugang zur Altburg.

Archeo Norico Ausstellung in der Burg Deutschlandsberg.

 

Haubenrestaurant

Die Burg bietet mit den edlen Schmuckstücken und der momentanen Ausstellung „3.000 Jahre weststeirisches Glas“ aber nicht nur einen Augenschmaus: Zur Burg gehört auch ein Haubenrestaurant , in dem wir bestens verwöhnt werden. Wäre es schon spät am Abend gewesen, hätten wir uns vielleicht ein Zimmer im Burghotel gebucht: Absolutes Highlight ist die Turmsuite, zu der eine romantische Wendeltreppe nach oben führt und die besonders bei Brautpaaren besonders beliebt ist. Übrigens: Auch ein Veranstaltungsraum soll demnächst in der Burg eröffnet werden: ganz oben im Festungsturm, mit einem unbeschreiblichen Ausblick über das Schilcherland. 
 

Im Haubenlokal der Burg Deutschlandsberg stehen verschiedenste regionale Köstlichkeiten auf der Speisekarte. 


Unterwegs im Schilcherland Steiermark mit unbeschreiblichem Blick auf die Burg Deutschlandsberg und das Archeo Norico Burgmuseum. 

Burg Deutschlandsberg
Burgplatz 1, 8530 Deutschlandsberg,
Tel.: 03462/5656 0 | www.burgdeutschlandsberg.at 

 

Feuer und Flamme

Gestärkt geht es weiter – die nächste Station ist das Steirisches Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur in Groß St. Florian. Die permanente Ausstellung zum Thema Feuer, Brand und Brandbekämpfung bietet großen und kleinen Feuerwehrfans ein breites Spektrum und Geschichten zum Angreifen. Sehenswert ist zum Beispiel die Sammlung internationaler Feuerwehrhelme. Auch dem Thema Kunst widmet sich das 1995 eröffnete Museum: Jährlich gibt es neben feuerwehrbezogenen Ausstellungen auch zwei kulturspezifische Sonderausstellungen, außerdem ein umfangreiches Rahmenprogramm wie Lesungen, einen Kunstbrunch usw. Auch für Kinder, etwa zur Feier eines Kindergeburtstags, ist das Feuerwehrmuseum geeignet.

Im Jahr 1995 eröffnete das Feuerwehrmuseum in Groß St. Florian.

Steirisches Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur
Marktstraße 1, 8522 Groß St. Florian
Tel.: 03464/8820 | www.feuerwehrmuseum.at

 

Älteste Mühle

Unsere letzte Station, bevor es nach 43 geradelten Kilometern zurück zum Schlosstoni geht, ist die Ölmühle Herbersdorf, eine der ältesten und kleinsten Ölmühle der Steiermark. Das Kürbiskernöl, das dieser Mühle entspringt, wurde bereits 19 Mal in Folge mit der Goldmedaille prämiert und darf sich somit zu den besten Ölen weltweit zählen. Gernot Becwar, seines Zeichens Erfinder der Kombination Vanilleeis und Kernöl, weiht uns in das Geheimnis der Kernöleierspeise ein und präsentiert uns die originale Steinmühle, die mit 320 bar das dunkelgrüne Gold aus den Kernen presst. Im Anschluss dürfen wir noch den rund 600 Jahre alten Keller besichtigen, in dem unter dem Namen „Kultur im Keller“ Kulturveranstaltungen stattfinden und der auch ein kleines Restaurant beinhaltet, das auf Bestellung geöffnet hat. Im wunderschönen Garten genießen wir noch einen Moment der Stille, bevor wir zurückradeln – dank E-Bike ohne schwere Beine.

Die Ölmühle Herbersdorf wurde bereits 19 Mal in Folge mit der Goldmedaille prämiert und darf sich somit zu den besten Kürbiskernölmühlen weltweit zählen.  

Ölmühle Herbersdorf
Herbersdorf 9, 8510 Stainz
Tel.: 0664/410 80 97 | www.oelmuehle.herbersdorf.at

FOTOS: MARKUS TRINKEL | Die Empfehlung der Radtour wurde gemeinsam mit dem Moments-Magazin Steiermark erstellt.